Chorprobe 2.0

Chorarbeit in der Laienmusik mit Chor-Tutorials

Ein Projekt von Dennis Heitinger

In der heutigen Welt ist fast jeder rund um die Uhr vernetzt, erreichbar und das Smartphone ist als steter Begleiter im Alltag nicht mehr wegzudenken. Zugleich finden Chorproben scheinbar frei von Technologien statt. Die gefühlte Omnipräsenz der Medien soll in diesem Projekt mit dem Chor in Verbindung gesetzt werden. Das verbindende Element sind dabei Chor-Tutorials. Dabei wurden die Chor-Tutorials mit Blick auf einen bestimmten Laienchor erstellt, die Chorprobe mit den Chor-Tutorials videografisch aufgezeichnet und anschließend ausgewertet. Das Projekt verfolgt das Ziel, das Konzept des Blended Learnings anhand von Video-Tutorials mit der Chorarbeit in Beziehung zu setzen und die Umgangsweise damit näher zu untersuchen. Dazu wurde die erste Arbeitsphase an einem bisher unbekannten Musikstück mit eigens erstellten Chor-Tutorials auf Tablets gestaltet, videografisch aufgezeichnet und ausgewertet.

Beim 10. Hochschulwettbewerb Musikpädagogik der Rektorenkonferenz der Deutschen Musikhochschulen wurde Dennis Heitinger für sein Projekt "Chorprobe 2.0" mit einem Förderpreis ausgezeichnet.

Präsentationsvideo Chorprobe 2.0

Konzeption und Durchführung

  • Dennis Heitinger

Betreuung

Während Videos bei Jugendlichen eine gängige Art der Informationsbeschaffung darstellen und circa 20 % der Jugendlichen speziell Erklärvideos als kostenlose Nachhilfe (mpfs 2018, S. 50) nutzen, werden digitalisierte Lernprozesse im Gegensatz dazu in der Chorarbeit noch kaum genutzt. Scheinbar unberührt von jeglicher Technik finden die Chorproben seit vielen Jahrzehnten auf die gleiche Weise statt. Ist die Digitalisierung hier noch nicht angekommen? Hat die mediale Nutzung hier überhaupt einen Sinn? Die große Frage, die heute in der Wissenschaft eine zentrale Rolle spielt, ist dabei der sinnvolle Einsatz von Medien in Vermittlungsprozessen, ob in der Chorprobe oder in der Schule. Jeder Einsatz „wirkt sich auf das Unterrichtsgeschehen aus und beeinflusst die eingesetzten Methoden der Vermittlung und Anleitung. Trotz „neuer“ Medien (im Sinne von digitalen Endgeräten) handelt es sich um Dinge, mit denen man den Umgang lernen muss“ (Lankau 2017, S. 38-39). Jedes sogenannte „Ding“ (Rabenstein 2018) bringt Vor- und Nachteile, was sich auch am Ende des Projektes bestätigt hat.

Im für das Projekt „Chorprobe 2.0“ ausgewählte Chor singen ausschließlich Laiensänger, von denen nicht alle Noten lesen können. Dem Projekt liegt deshalb die Annahme zugrunde, dass das Arbeiten mit Video-Tutorials das eigenständige Arbeiten erleichtern könnte. Um die Arbeitsphase videografisch aufzeichnen zu können und zudem einen Interaktionsprozess zwischen Sängerinnen und Sängern der gleichen Stimmgruppe zu initiieren, wurde das Experiment während den Zeiten einer regulären Chorprobe durchgeführt.

Oftmals fällt mit der Digitalisierung von Lernprozessen automatisch der Begriff E-Learning, womit alle Formen des Lernens mit digitalen Endgeräten gemeint sind (Karpa 2013, S. 86). Davon unterscheiden kann man das Konzept des Flipped-Classrooms, worunter die Arbeit mit digitalen Lernmedien außerhalb der Präsenzzeiten der Schule zu verstehen ist (Nimmerfroh 2016, S. 3-5) und auch das Blended Learning, bei dem digitale Arbeitsphasen in die normalen Präsenzunterrichtsphasen integriert werden (Karpa 2013, S. 87). Obwohl die erläuterten Methoden immer häufiger eingesetzt werden, ist die Forschung zum Thema digitale Transformation in der kulturellen Bildung bislang noch in der Anfangsphase. „13 Verbund- und Einzelprojekte in ganz Deutschland forschen seit Ende 2017 zu digitalen Phänomenen in der Kulturellen Bildung unter anderem in den Bereichen Musik, Literatur, Tanz, Performance und bildende Kunst“ (Jörissen et al. 2019, S. 7). Ziel dabei ist das Herausarbeiten der Bedeutung digitaler Medien für die Gesellschaft, die Bildungswissenschaft und die spezifischen Themenbereiche, um den Einsatz sowohl reflektieren als auch in der Kulturellen Bildung fruchtbar machen zu können (ebd., S. 8). Diese Zielsetzungen werden auch mit dem hier vorgestellten Projekt verfolgt.