LANDESZENTRUM MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE

Atelier für Innovation in künstlerischer Praxis, Forschung und Lehre im digitalen Zeitalter

Das Landeszentrum MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen versteht sich als Brückenbauer zwischen innovativen Ansätzen unseres digitalen Zeitalters für künstlerische Praxis, Forschung und Lehre und Traditionen künstlerischer Disziplinen. Im Sinne eines Ateliers schafft es neue Räume für den Erhalt und die Fortschreibung des musikalisch-künstlerischen Erbes, formuliert musikalische Gestaltungsansprüche und hinterfragt mediale Soundgestaltung.

MUSIK

Die musikalische Perspektive und Expertise – mit den ästhetischen Ansprüchen und musikalischen wie klanglichen Materialien – bilden Ausgangspunkt und Ziel.

DESIGN

Design kann als „Praxis des Entwerfens als Kulturtechnik“ (Bernhard Siegert) begriffen werden und formuliert einen oftmals kontextbezogenen Gestaltungsanspruch. Der Begriff impliziert das Zukunftsoffene, das Mögliche, aber auch das Improvisierte.

PERFORMANCE

Die Performance ist der Moment der Verwirklichung, der Präsentation, der Inszenierung. Der weitgefasste Begriff weist auf die Verbindung zum traditionellen Musizieren hin, geht aber darüber hinaus bis hin zu Musikvermittlung und Lehr-Lern-Situationen.

Hintergrund

Musikstreaming auf Audio- und Videoportalen, permanente digitale Vernetzung in sozialen Netzwerken und neue musikalische Ausdrucksformen und Performanceformate zeigen Entwicklungslinien der Digitalisierung auf: Digitale Technologien verändern den täglichen Umgang mit Musik in hohem Maße und ermöglichen neue musikalische Produktions- und Rezeptionsweisen. Sie durchdringen in ihrer Vielfalt fast alle musikalischen Aktivitäten und sind in den Kreativwerkstätten längst zum allgegenwärtigen Kompositions- und Produktionswerkzeug avanciert. Über die Transformationen im Zusammenspiel von digitalen Technologien und musikalischen Praxen entsteht genuin Neues, gleichzeitig wird auch Traditionelles von Neuperspektivierungen berührt.

Dieser Wandel ist in der Musik und ihrer Rezeption wie auch im Musikbetrieb und dem Berufsbild selbst spürbar und wirkt sich direkt auf die Anforderungen und Ansprüche an Musiker*innen von heute aus.

Musikhochschulen stehen vor der Herausforderung, diesen Wandel in Forschung, Lehre und künstlerischer Praxis zu thematisieren.

Wie verändern sich Verhalten, Wahrnehmung, Kommunikation, Gestaltungsansätze und ästhetische Kategorien im Zusammenhang mit Musik im digitalen Zeitalter? Wir wird dann Musik komponiert, produziert, vermarktet, gehört? Um welche Art von Musik handelt es sich dann überhaupt? Wie wird, wie könnte sich eine Musikhochschule vor dem Hintergrund der Digitalisierung verändern?

Diesen Fragen widmet sich das Landeszentrum MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE an der Musikhochschule Trossingen.

Konzeption

Eine Musikhochschule ist ein Ort vielseitigen musikbezogenen Lernens in verschiedenen Fachbereichen und mit unterschiedlichen Zielgruppen. Das Landeszentrum MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE versteht sich als Brückenbauer zwischen traditionellen künstlerischen Disziplinen und innovativen Ansätzen unseres digitalen Zeitalters für die künstlerische Praxis, Forschung und Lehre. Die musikalische Perspektive und Expertise – mit den ästhetischen Ansprüchen und musikalischen wie klanglichen Materialien – bilden dabei Ausgangspunkt und Ziel. Die Musikpädagogik ist ebenso involviert wie die Wissenschaft, digitale Medien ebenso wie künstlerische Gestaltung in Komposition, Improvisation und Performance.

Die Themen des Landeszentrums sind insbesondere:

Durch das Zusammenwirken von traditionellen musikalischen Praxen mit den Möglichkeiten der digitalen Musikbearbeitung und Kommunikation entsteht eine neue Ensemblekultur: Proberaum, Konzertpodium, digitale Musikbearbeitung und Internet bilden keine Widersprüche, sondern eröffnen einen homogenen, perspektivenreichen Raum für Kreativität und Performance.

Informatik und Algorithmik spielen die zentrale Rolle in der digitalen Technologie. Algorithmisches, also regelbasiertes Agieren lässt sich aber auch bis in die Anfänge der Musik zurückverfolgen. Diese besondere Verbindung zwischen traditionellem und innovativem musikalischen Denken unterstreicht die Omnipräsenz algorithmischen Komponierens in allen musikalischen Genres. Die Kenntnisse darüber vertiefen per se digital-musikalische Kompetenzen. Das Programmieren von elektronischer Musik in spielerischen Gestaltungsprozessen erweitert das Verständnis von „historischer“ Musik mit neuen Sichtweisen und kann zugleich eigene kreative Schaffensprozesse in Gang setzen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Parameter Raumklang. Mithilfe von kuppelförmig aufgehängten Lautsprechern entsteht im Klangdom ein Environment, mit dem sich Klänge an beliebigen Orten rund um den Hörer herum platzieren lassen. Diese immersive Umgebung kann den Hörer stärker in das Klanggeschehen einbinden.

Gelungene audiovisuelle Performances, also Inszenierungen im Raum mit Musik sowie Licht, Bild und Bewegung, gründen auf durchdachten szenographischen Konzepten. Die Möglichkeiten für neue Performance-Formate reichen von Skulptur- und Bildinzensierung, Videoarbeiten und interaktiven Ausstellungsexponaten bis hin zu musikalisch-tänzerischen Live-Performances mit Raum- und Bewegungstracking.

In erweiterten als auch in virtuellen Realitäten eröffnet sich ein ganz neuer Horizont, in dem das Zusammenspiel von digitalen Technologien und künstlerischer Praxis ausgelotet und künstlerisch erforscht wird. Systeme der erweiterten und virtuellen Realität ziehen immer mehr Menschen in ihren Bann, da Sound, Musik und visuelle Umgebungen nicht nur erfahrbar, sondern multimodal und ganzheitlich erlebbar sind.

Digital-mediale Vermittlungsformen und -konzepte der künstlerischen Identität sind „State of the Art“. Strategieentwicklung, ein digitales Portfolio und die Präsenz in sozialen Netzwerken sind daher Kernkompetenzen von Musiker*innen im digitalen Zeitalter. Um die anvisierten Zielgruppen erreichen zu können, werden neben der hohen musikalischen Expertise auch Strategien für die Analyse und Umsetzung eines persönlichen Kommunikationskonzeptes benötigt.

Der Definition aus dem Wörterbuch Ästhetische Grundbegriffe von Heinz Hirdina folgend meint Design „das ästhetisch bestimmte Entwerfen von industriell reproduzierbaren Gebrauchsgegenständen“. Auf Musik übertragen spricht man von Angewandter Musik – Musik, die zu einem bestimmten Zweck geschrieben und funktionalisiert wird. Eine musikbezogene Designtheorie beschäftigt sich mit Fragen ihrer Gestaltung und Ästhetik: Wie beziehen sich Musik und Anwendungskontext aufeinander? Wie sind diese Musiken gestaltet und wie lassen sie sich systematisieren? Neben etablierten Formen wie der Filmmusik sind gerade neue, aufgrund technologischer Entwicklungen entstehende Bereiche der Angewandten Musik, beispielsweise in virtuellen Umgebungen, besonders spannend.

Smartphones und Apps wird gerne die Rolle zugeschrieben, besonders die Kreativität und Motivation der Schüler zu fördern. Diverse Forschungsprojekte und Praxisberichte zeigen, dass dies nur eingeschränkt zutrifft und die Verwendung digitaler Technologien in Lernprozessen erfolgreich sein kann, aber von vielen Faktoren abhängt. Jugendliche haben mehrheitlich eine kritisch-reflexive Haltung zu Smartphones im Unterricht und den Wunsch, dass sich der Einsatz digitaler Medien auf einzelne Lernphasen beschränkt. Gleichzeitig zeigen die Forschungsergebnisse, dass sich musikalische Aktivitäten der Jugendlichen mit digitalen Medien fast ausschließlich auf die Rezeption und Konsumption beziehen.

Das musikdidaktische Forschungsprojekt „Musik erfinden mit Smartphones“ im Format der fachdidaktischen Entwicklungsforschung (Design Based Research) im  Landeszentrum Musik–Design–Performance an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen fokussiert den Umgang mit interaktiven Medien und materiellen Dingen im Rahmen soziologischer Handlungs- und Praxistheorien.

Musikbezogene Lern- und Gestaltungsprozesse mit digitalen mobilen Endgeräten sind kom­plexe Interaktionen, die sich zwischen handelnden Personen, musikalischen Praxen und digi­talen Technologien vollziehen. Welche Apps eignen sich für welche Lern- und Gestaltungs­prozesse und welche musikbezogenen Kompetenzen entwickeln die Lernenden durch Apps? Das Angebot an musikbezogenen Applikationen und Softwarelösungen ist mittlerweile un­überschaubar. Alleine im App- bzw. PlayStore werden jeweils nahezu 100.000 musikbezo­gene Apps angeboten. Aus dieser Notwendigkeit heraus wurde nach Wegen gesucht, Apps für Musik in der Schule zu ordnen, auszuwählen und zielgerichtet für Lernprozesse einzusetzen. Das Ergebnis ist ein Cluster-Modell, welches die Apps – ähnlich dem menschlichen Handeln – nach ihren Kompe­tenzen ordnet und sich an vier Tätigkeits- bzw. Berufsfeldern orientiert, für die bzw. aus de­ren Anwendungskontext heraus die Apps primär konzipiert wurden. Alle Apps verbindet da­bei der Umgang mit Klängen (KlangAPPs).

In der Themensetzung des Landeszentrums findet sich auch die gesellschaftliche Verantwortung, der sich die Musikhochschule Trossingen mit dessen Entwicklung verpflichtet sieht: Kompromisslose Qualität des klassischen Fächerkanons ohne Abstriche oder Schwerpunktverlagerung, allerdings gepaart mit einer Offenheit für neue Medien und Technologien in einer zunehmend digitalisierten Welt. Nicht nur in der Pop- und Filmmusik, in allen Sparten sind digitale Hard- und Softwareelemente nicht mehr wegzudenken. Die Aufgabe des Landeszentrums ist daher auch, diese Relevanz in klassischen Sparten einer Musikhochschule wie Tonsatz, Musikpädagogik, Arbeit am Künstlerportfolio usw. auszuloten und für die jeweiligen Gebiete entsprechend zu etablieren.

Wirkung

Die Staatliche Hochschule für Musik Trossingen hat sich früh neben ihrer starken Verankerung in musikalischen Traditionslinien der Neuverortung als universitäre Kultur- und Bildungsinstitution im digitalen Zeitalter verschrieben. Im Jahr 2011 wurde der innovative Studiengang „Musikdesign“ in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen University (HFU) eingeführt. Seit 2012 werden Studierende der Musikhochschule im einzigartigen Trossinger Medienkompetenz-Projekt in den drei wichtigen Bereichen künstlerische Medienkompetenz, pädagogische Medienkompetenz und Medienkompetenz für Kommunikation und Networking geschult.

Die Ensembles OSG und TROLL stehen stellvertretend für die künstlerische Entwicklung an der Musikhochschule Trossingen. Die „Open Source Guitars“ verbinden seit langem erfolgreich die traditionelle Ensemblekultur mit digitaler Musikbearbeitung und Kommunikation. Verschiedenste Sounds von Gitarren, E-Gitarren, präparierten und selbstgebauten Gitarren werden in eine Sound-Library aufgenommen und vielfältig künstlerisch verarbeitet, aber auch in Live-Performances ohne Zuspielungen aufgeführt. Das Trossinger Laptop-Ensemble TROLL strebt u.a. die interdisziplinäre Vernetzung innerhalb der Musikhochschule an: trifft bspw. in künstlerischen Kooperationsprojekten ein Naturtrompetenensemble auf die Laptop-Performer, wird die Aufführungspraxis von digitaler und analoger Musik ausgelotet und das Verständnis für die künstlerischen Möglichkeiten in und mit der digitalen Musikwelt erschlossen. Die künstlerischen Initiativen und Projekte wie auch die strukturellen Anstrengungen legten in Trossingen eine Grundlage für Innovations- und Reflexionsprozesse im Zusammenspiel von digitalen Technologien und musikalischen Praxen.

Einen Überblick über die Wirkung des Landeszentrums in den verschiedenen Bereichen erhalten Sie im Bereich Projekte auf dieser Website.

Historie

Die Staatliche Hochschule für Musik Trossingen hat sich früh neben ihrer starken Verankerung in musikalischen Traditionslinien der Neuverortung als universitäre Kultur- und Bildungsinstitution im digitalen Zeitalter verschrieben. Im Jahr 2011 wurde der innovative Studiengang „Musikdesign“ in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen University (HFU) eingeführt. Seit 2012 werden Studierende der Musikhochschule im einzigartigen Trossinger Medienkompetenz-Projekt in den drei wichtigen Bereichen künstlerische Medienkompetenz, pädagogische Medienkompetenz und Medienkompetenz für Kommunikation und Networking geschult.

Die Ensembles OSG und TROLL stehen stellvertretend für die künstlerische Entwicklung an der Musikhochschule Trossingen. Die „Open Source Guitars“ verbinden seit langem erfolgreich die traditionelle Ensemblekultur mit digitaler Musikbearbeitung und Kommunikation. Verschiedenste Sounds von Gitarren, E-Gitarren, präparierten und selbstgebauten Gitarren werden in eine Sound-Library aufgenommen und vielfältig künstlerisch verarbeitet, aber auch in Live-Performances ohne Zuspielungen aufgeführt. Das Trossinger Laptop-Ensemble TROLL strebt u.a. die interdisziplinäre Vernetzung innerhalb der Musikhochschule an: trifft bspw. in künstlerischen Kooperationsprojekten ein Naturtrompetenensemble auf die Laptop-Performer, wird die Aufführungspraxis von digitaler und analoger Musik ausgelotet und das Verständnis für die künstlerischen Möglichkeiten in und mit der digitalen Musikwelt erschlossen. Die künstlerischen Initiativen und Projekte wie auch die strukturellen Anstrengungen legten in Trossingen eine Grundlage für Innovations- und Reflexionsprozesse im Zusammenspiel von digitalen Technologien und musikalischen Praxen.

Im Jahr 2015 hatte das Land Baden-Württemberg nach einem wettbewerblichen Verfahren fünf Landeszentren ausgezeichnet, die herausragende Profile mit überregionalem Leuchtturmcharakter sichtbar machen und im Studium berufsfeldbezogene Kompetenzen stärken sollen. Das Wissenschaftsministerium und die Landesrektorenkonferenz der Musikhochschulen hatten sich zur Auswahl der Landeszentren auf ein ergebnisoffenes, qualitätsorientiertes Verfahren geeinigt, das entsprechend der üblichen Wettbewerbsverfahren im Hochschulbereich in zwei Runden gegliedert war. Von den Musikhochschulen wurden 9 Antragsskizzen eingereicht, von denen 7 zur Ausarbeitung eines Vollantrags in die zweite Runde weitergeleitet wurden. Zur Begutachtung wurde ein unabhängiges Expertengremium eingesetzt. Die Einrichtung der Landeszentren ist auf Dauer angelegt. Zur ihrer Finanzierung wurde ein Stellenpool gebildet, für den das Land für fünf Jahre fünf W3-Professuren sowie weitere fünf Mittelbaustellen (E 13) zur Verfügung stellt. Die Musikhochschulen beteiligen sich mit jeweils zwei W3-Stellen an diesem Pool.

Die Musikhochschule bewarb sich mit dem Konzept für das Landeszentrum MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE und bekam den Zuschlag.

Partnereinrichtungen