Prof. Ludger Brümmer

Professur für Komposition für Digitale Medien

Prof. Ludger Brümmer
Landeszentrum MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE

Staatliche Hochschule für Musik
Schultheiß-Koch-Platz 3
78647 Trossingen

Telefon 07425 9491-52
E-Mail ludger.bruemmer@mh-trossingen.de

  • Seit 2017 Professor für Komposition für digitale Medien am Landeszentrum MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE
  • Studierte zunächst Musik, Kunst und Pädagogik in Bochum, später Komposition an der Folkwang Hochschule Essen
  • Seit April 2003 Leiter des Instituts für Musik und Akustik und seit 2018 Leiter des Hertz-Labors am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe
  • Künstlerische Tätigkeitsfelder: Raumklang, physikalische Modelle, Granularsynsthese, mediale Komposition mit unterschiedlichen audiovisuellen Inhalten (3D, Video, Interaktivität, Live-Video)

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2019/20

Werkzeuge der digitalen Klanggestaltung und deren Anwendung | Synchronisation von Bild und Ton | Grundlagen des Mehrkanaltons | Musik mit Circuit-Bending | Theorie instrumentaler und elektronischer Musik | Grundlagen des Sounddesigns und der Sprachgestaltung | Praktische Umsetzung von Konzepten der Klanginteraktion | Konzeption interaktiver Musiksysteme | Entwicklung künstlerischer Prozesse im Team | Erstellung von einfachen Soundalikes | Umsetzung von Performance-, Installations- und Live Electronic Konzepten | Entwicklung einfacher interaktiver Musiksysteme | Fähigkeit, über die eigene kreative Arbeit und die kreative Arbeit anderer zu reflektieren und konstruktiv zu diskutieren. Das Wintersemester steht unter dem Motto „Raumklang“. Es entstehen lineare sowie interaktive Spatial-Sound-Arbeiten.

SIEHE MD-STUNDENPLAN | PROF. FLORIAN KÄPPLER, PROF. THORSTEN GREINER, PROF. LUDGER BRÜMMER, PROF. OLAF TARANCZEWSKI, JÜRGEN SWOBODA

Vielfältige Angebote an den Schnittstellen Musik und Medien. Einige der Wahloptionen öffnen sich für die Gesamthochschule.

ZUORDNUNG: Studierende Musikdesign und Musicdesign sowie andere Studierende der Fakultät digitale Medien (HFU). LP N.V

KONKRETE ANGEBOTE VOR BEGINN DES WS, PROAKTIVE AUSKUNFT ÜBER ANDREAS BRAND: BRAND@MUSIKDESIGN.NET | PROF. FLORIAN KÄPPLER, PROF. THORSTEN GREINER, PROF. OLAF TARANCZEWSKI, PROF. LUDGER BRÜMMER, ANDREAS BRAND

Videointerview mit Ludger Brümmer

Drei kurze Fragen an Ludger Brümmer

Sie sind seit 2017 Professor für Komposition für digitale Medien am Landeszentrum MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE. Während Ihres eigenen Kompositionsstudiums hat das Digitale hingegen noch nicht diese Rolle gespielt. Wie verändert sich Komposition durch Digitalisierung?

Während meines Studiums an der Folkwang-Universität der Künste Essen begann gerade das digitale Zeitalter. Das Interessanteste für mich war, Musik zu machen, die bislang undenkbar war. Als Instrument gab es im Studio einen fünf Meter breiten „Altar“ vollgestopft mit modularen Analogsynthesizern. Daneben stand ein Rechner in der Dimension eines Kleiderschranks, der ausschließlich grüne Buchstaben anzeigen konnte. Nach dem Studium ging ich zur Stanford University in das Herz von Silicon Valley, konnte dort neueste Computer, den „NeXt Cube“, benutzen und lernte, dass eine Programmiersprache ein kompositorisches Werkzeug ist. Früher war Technologie sehr exklusiv, nur für wenige Menschen zugänglich. Das hat sich radikal geändert. Jeder Student kann ein Studio mit sich herumtragen und hat einen Computer in der Hosentasche, der in den 90ern 1.000.000 € gekostet hätte. Man kann Software benutzen, die in kürzester Zeit die erstaunlichsten Klänge erzeugt.

Und hier komme ich zur Ästhetik. In den 80er Jahren war die Avantgarde eine Leitkunst, die ästhetische Ideale formulierte, die sehr weit weg vom „Normalen“ war, eine Elitekunst, die allerdings auch Qualitätsforderungen verteidigte. Ich habe diese Kunst immer als stimulierend empfunden, weil ich in ihr viel Neues und Unbegreifliches fand. War die elektronische Musik die Hoffnung der Avantgarde auf Weiterentwicklung, so kann man heute sagen, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllt hat. Digitale Musik und die Ex-Avantgarde haben sich völlig entzweit und für mich ist das, was in der digitalen Musik passiert, sehr viel lebendiger, kreativer und aufregender. Letztendlich hat das Digitale die Geschwindigkeit der technischen Innovation beschleunigt. Es lässt mich direkt auf jedes Sample zugreifen aber auch mathematische Konzepte und auch Künstliche Intelligenz auf klanglicher oder kompositorischer Ebene verwirklichen.

Bereits seit 2003 leiten Sie das Institut für Musik und Akustik am ZKM in Karlsruhe. Sehen Sie Synergieeffekte zwischen Ihrer Arbeit am ZKM und der Professur am Landeszentrum?

Augenblicklich kann ich den Studierenden in Trossingen die Ergebnisse einiger Forschungsprojekte des ZKM, Installationen oder auch Software, die im ZKM entwickelt wurde, zur Verfügung stellen und in den Unterricht einbauen. Andererseits können wir in Trossingen auch wertvolle Feedbacks an die Entwickler geben. Im Februar haben wir mit dem Raumklang-Seminar einen Nachmittag im Klangdom des ZKM verbracht. Da konnten die Studierenden ihre eigenen Werke unter optimalen Bedingungen hören und auch verstehen, was Raumklang überhaupt bedeutet. Der Klangdom in Trossingen hat leider noch keinen optimalen Standort gefunden.

Was macht für Sie den Reiz des Phänomens Raumklang aus?

Raumklang wurde ursprünglich durch die Architektur initiiert. Adrian Willaert hat schon im 16. Jahrhundert in San Marco Klänge praktiziert, indem der Chor in bis zu acht Gruppen im Raum verteilt aufgestellt wurde. Den nächsten Impuls für Raumklang gab die Trennung von Klangerzeugung und Klangwiedergabe: Mit dem Lautsprecher kann Klang überall positioniert werden. Schließlich ermöglichten Simulationen, den Klang in jede beliebige Bewegung zu versetzen. Musik für Raumklang schafft ein immersives Klanggeschehen: der Zuhörer ist umgeben von Klang. Es beeindruckt mich immer wieder, wenn die Musik um mich herum im Raum schwebt und sich bewegt, wenn ein dichtes Klanggeschehen mit 30 oder 40 im Raum verteilten Klangquellen erklingen kann. Diese Klangdichte und Komplexität wären ohne Raumklangsysteme nicht wahrnehmbar.

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