Symposium

DIE ROLLE DES AUDITIVEN IN IMMERSIVEN ERWEITERTEN REALITÄTEN VON MONTEVERDI BIS VIRTUAL REALITY

Dienstag, 28. Mai 2019 | 11:00 – 13:30 Uhr | Raum R234

Das interdisziplinäre Symposium sondiert aus den drei Perspektiven Medientheorie , angewandte Medienwissenschaft und Musikwissenschaften Räume des Transfers zwischen akademischem Diskurs, technischer Umsetzung, wirtschaftlicher Innovation und künstlerischer Praxis. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen University sowie der Universität Konstanz.

PROGRAMM

Prof. Thorsten Greiner | Musikhochschule Trossingen, Sprecher des Landeszentrums
BEGRÜSSUNG UND EINFÜHRUNG

Prof. Dr. Beate Ochsner, Dr. Markus Spöhrer, Dr. des. Robert Stock | Universität Konstanz
IMMERSIONSSTRATEGIEN VON SMARTPHONE-APPS
In diesem Vortrag werden wir zunächst eine Reihe von unterschiedlichen, medienwissenschaftlich gelagerten Theorien zur Immersion vorstellen. Darauffolgend entwickeln wir auf dieser Grundlage ein Beschreibungsmodell zur 'auditiven Immersion' in digitalen Smartphone-Dispositiven. In einem letzten Teil werden wir dies am konkreten Beispiel des Audio Games A Blind Legend und der VR App Notes on Blindness exemplifizieren.

Vertr.-Prof. Dr. Rainer Bayreuther und Prof. Marieke Spaans | Musikhochschule Trossingen
IMMERSION UND HISTORISCHE AUFFÜHRUNGSPRAXIS
Bereits in den Anfängen der Historischen Aufführungspraxis im frühen 19. Jahrhundert wurde - avant la lettre - die Immersivität von musikalischer Performance und ihre Bedingungen thematisiert. Musik, die nicht mehr die gegenwärtige ist, lässt sich nicht einfach mit gegenwärtigen Klangmedien (Instrumente, Spieltechniken, Räume, räumliche Anordnungen von Musikern und Hörern) aufführen. Sie klingt dann zwar noch, aber weder Spieler noch Hörer werden tief in die Musik involviert. Umgekehrt lässt sich daraus schließen, dass jede Musik eine spezifische Medialität der Performance erfordert, um immersiv zu sein. Eine gegenwärtige Aufführung nicht-gegenwärtiger Musik stellt sich damit als ein Labor dar, in dem sich elementare Zusammenhänge zwischen der Wahl performativer Medien und Modi des "In-Musik-Seins" (Günter Anders 1929) erkunden lassen.

Prof. Dr. Christina Zenk | Musikhochschule Trossingen
IMMERSION AUS MUSIKPSYCHOLOGISCHER PERSPEKTIVE
Musikpsychologie stellt den Musik-wahrnehmenden und -produzierenden Menschen in den Mittelpunkt von theoretischen Betrachtungen und empirischen Fragestellungen. Der auditive Aspekt von Immersion, das Eintauchen in eine virtuelle Realität, kann naheliegenderweise in Game-Designs empirisch untersucht werden. Gleichzeitig wird in diesem Impuls (Kurzvortrag) der Frage nachgegangen, inwieweit sich nicht auch generell, diachron wie synchron, in den Wirkungen von Musik ein immersives Moment beobachten lässt.

Prof. Ludger Brümmer | Musikhochschule Trossingen
RAUMPOLYPHONIE: VOM BEWEGEN STATISCHER TÖNE
Geschwindigkeit, Raumanordnung, Lautstärke, Klangfarbe und Tonhöhe. Unser Gehirn strukturiert alle visuellen und akustischen Informationen ständig und entwickelt zuweilen manch bizarre Eigenart, mit Tönen umzugehen. Diese Eigenarten kommen immer wieder im Alltag vor und sind für jeden der bewusst hört, insbesondere für Musiker interessant.

Dr. Joachim Goßmann | Musikhochschule Trossingen
STRUKTURELLE KRITERIEN IMMERSIVER UMGEBUNGEN
Mit dem Begriff der “Immersion” (Eintauchen, Versunkenheit, Vertiefung) treten Strukturen der Wahrnehmung der Betrachter und Zuhörer ins Zentrum des Interesses. Wie Spiegelbilder können wir in den Schichtungen von Medienproduktionen (Beispiel Film: Dialog, Musik, Foley, Klangeffekte) und musikalischen Kompositionen (Beispiel: Mehrstimmigkeit/Orchestrierung) unsere Zugänge zu der uns umgebenden Welt wiederfinden. Besonders bei zeitbasierten Inhalten wie Musik und Film tritt „in dem, was gleichzeitig möglich ist“, ein Instrumentarium aus Fähigkeiten von Wahrnehmung und von Aktivitäten zu Tage, mit welchem wir uns unserer Umgebung zuwenden, diese strukturieren, orchestrieren, und damit auch in ihr aktiv werden können. Dieses menschliche Potential, uns mit unserer Umgebung zu verbinden, umfassend anzusprechen und zu nutzen, ist der Kern- und Angelpunkt immersiver Medien. Daraus ergeben sich auch nicht unerhebliche ethische Aspekte und Fragen.

Prof. Dr. Norbert Schnell | Hochschule Furtwangen University
TECHNIKEN IMMERSIVEN KLANGS
Selbst wenn Klang eigentlich stets als ein immersives Phänomen auftritt und Immersion tatsächlich ein wesentlicher Aspekt der Klangwahrnehmung in jeglicher Umgebung ist, begnügen sich Klangreproduktionen oft damit, dass ein zu reproduzierender klanglicher Inhalt aus einem Lautsprecher oder auch direkt im Kopf ertönt ohne sich wirklich darum zu bemühen eine als solche wahrnehmbare Klangumgebung zu schaffen. Natürlich gibt es längst Techniken, die über das Ertönen hinaus bestehende Klangräume reproduzieren und neue erschaffen können, die den Zuhörer umhüllen und in denen sich Zuhörer auch begegnen können. Einige dieser Techniken und ihre wesentlichen Eigenschaften sollen hier kurz vorgestellt werden.

Im Anschluss
DISKUSSIONSRUNDE